Experteninterview zum Thema „dritte“ Zähne

Frau Dr.med. Dr.med.dent. Roswitha Ritter
Frau Dr.med. Dr.med.dent. Roswitha Ritter

Interview mit Frau Dr.med. Dr.med.dent Roswitha Ritter, Fachärztin für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, Zahnärztin für Oralchirurgie, zertifizierte Implantologin.

Welche Möglichkeiten gibt es heute, Zähne auch im Alter lange zu erhalten?

Dr. Dr. Ritter: Am Wichtigsten ist nach wie vor eine exzellente Zahnpflege mit Bürste, Zahnseide und Munddusche. Außerdem sollte man darauf achten, dass kein Zahnstein entsteht und dieser, falls doch, in regelmäßigen Abständen zweimal jährlich entfernt wird.

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten Zähne zu erhalten. Glücklicherweise sind die Menschen auch viel mehr als früher darüber informiert, wie wichtig es für ihre allgemeine Gesundheit und natürlich für ein gutes Aussehen ist, ihre Zähne zu erhalten.

Zähne die tiefe Füllungen haben und abgestorben sind, muss man nicht gleich ziehen. Mit perfekten Wurzelfüllungen unter dem Mikroskop kann man sie gut noch einige Jahre erhalten. Dies machen darauf spezialisierte Endodontologen. Sollten an der Wurzelspitze aber Eiterherde entstehen, kann ein Zahnchirurg/Oralchirurg  die Wurzelspitzen kappen und der Zahn bleibt auch erhalten.

Weit verbreitet sind auch gesunde, kräftige  Zähne die wegen Zahnbetterkrankungen (Parodontose/Parodontitis) anfangen zu wackeln. Diese, meist durch übertragbare Bakterien hervorgerufenen Entzündungen, die auch familiär gehäuft auftreten können, müssen nicht zum Zahnverlust führen. Es gibt speziell auf Zahnbetterkrankungen ausgerichtete Parodontologen, die sich erfolgreich in vierteljährlichen Intervallen um diese Patienten kümmern. Bei regelhafter Behandlung und penibler Pflege kann ein Zahnverlust jahrelang hinausgezögert werden.

Viele Patienten wollen heutzutage keine herausnehmbaren dritten Zähne, also eine Prothese haben. Was kann man dagegen tun?

Dr. Dr. Ritter: Sollte es doch zum Zahnverlust kommen, kann man anfangs auf entsprechenden Restzähnen festsitzende Brückenversorgungen machen, oder einzelne Zähne mit Implantaten und einzelnen Kronen ersetzen. Auf diese Art hat man seine Zähne immer vollständig zur Verfügung. Sind jedoch nicht mehr genügend statisch nutzbare Pfeiler vorhanden, muss man, wenn man kein „künstliches Gebiss“ zum Herausnehmen haben möchte, Implantate, also künstliche Zahnwurzeln als Stützpfeiler rundum einsetzen lassen.

Was versteht man unter einer Implantat-Versorgung und welche Vorteile hat sie?

Dr. Dr. Ritter: Der Begriff  Implantat bezeichnet nur eine künstliche, industriell steril hergestellte Zahnwurzel, die in den Knochen eingesetzt wird. Man vermeidet damit den vorzeitigen Knochenabbau und das Beschleifen gesunder Nachbarzähne. Den festen Zahn obendrauf, die Brücke oder Prothese zum Beißen fertigt der Zahnarzt mit seinem Zahn- Labor individuell für jeden Patienten an.

Worauf soll ein Patient, der Implantate als Ersatz für verloren gegangene Zähne haben möchte unbedingt achten?

Dr. Dr. Ritter: Die Implantation ist beim Spezialisten, der über eine entsprechende Ausbildung und Erfahrung durch häufiges Implantate-Setzen verfügt, immer möglich. Vorher wird eine Messaufnahme – möglichst in 3Dimensionen, also ein so genanntes DVT, angefertigt, um keine angrenzenden Strukturen, wie zum Beispiel Nerven, zu schädigen. Auch Länge und Dicke des Implantats werden mit diesem Bild festgelegt, das verkürzt die Operationszeit. Auf dem Markt gibt es über 2000 Implantatfirmen. Nur wenige verfügen über Langzeitstudien, geben lebenslange, weltweite Garantie und dem Patient einen Implantat-Pass! Die Erfolgsquote für Implantate aus gut verträglichem Titan liegt auf zehn Jahre gerechnet bei weit über 90 Prozent. Es gibt Patienten, die ihre Implantate sogar über 40 Jahre im Mund haben. Vor einer Operation sollten Patienten eine eingehende Beratung und Aufklärung über alle Versorgungsmöglichkeiten und deren Preise von dem von ihnen ausgewählten Spezialisten erhalten.

Mit gut gemachten  Implantaten kann auch bei Zahnverlust ein dauerhaft fester Biss mit exzellenter Ästhetik gesichert werden.

Wie sind Implantate und die darauf befindlichen Zähne zu pflegen?

Dr. Dr. Ritter: Wie für das Auto ist auch beim Implantat ein TÜV nötig: einmal im Jahr sollte der Chirurg anfangs draufschauen.

Außerdem ist eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung/Prophylaxe unbedingt zu empfehlen. Bedeutender noch ist aber die tägliche häusliche Implantat-Pflege unter Verwendung verschiedener Hilfsmittel, wie elektrische Zahnbürste oder Zahnseide und Zahnzwischenraumbürste.

Wo liegen die Probleme bei Implantaten- oder gibt es keine?

Dr. Dr. Ritter: Es wäre vermessen eine Methode zu propagieren und zu behaupten alles wäre nur toll.

Ursprünglich dachten wir, wenn die Einheilzeit und die erste Belatungszeit gut überstanden ist, sei alles im grünen Bereich.

Da aber Implantate auch bei nicht geeigneten Patienten und von Nicht-Spezialisten gesetzt werden, hat man inzwischen über die Risiken einiges dazugelernt: Wie bei einer Parodontitis (Zahnbettentzündung), die das Gewebe um den eigenen Zahn zerstört, kann sich auch die Umgebung des Implantats entzünden. Dann lockert sich die künstliche Zahnwurzel und fällt heraus. Diese Entzündung nennt man Peri-Implantitis. In beiden Fällen muss der Spezialist das entzündete Gewebe entfernen, die Oberfläche säubern und die Taschen mit Knochen auf das normale Niveau auffüllen. Solche Entzündungen treten bei einigen Patienten erst nach 10 Jahren auf, weshalb auch nach langem Implantat-tragen Kontrollen notwendig sind. Ein künstliches Implantat aus Titan mit körniger Beschichtung ist leider schlechter mechanisch oder chemisch reinigbar, als ein eigener Zahn. Trotzdem gibt es, wenn man in Äpfel beißen und Steaks kauen will, zu Implantaten und darauf sitzenden, festen Zähnen bei Zahnverlust keine bessere Alternative.

Praxis am Kurpark
Dr.med. Dr.med.dent Roswitha Ritter
Sonnenberger Straße 58
65193 Wiesbaden
Tel. 0611.988 288 04
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