Wenn eine Grippe im Anmarsch ist

Foto: ©fotogestoeber / fotolia.com
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Gedanken und Vorstellungen sind die mächtigsten Werkzeuge, über die wir Menschen verfügen. Im Leistungssport ist die mentale Fitness genauso wichtig wie die körperliche Verfassung. Bekommt ein Sportler Zweifel an seinen Fähigkeiten, entzieht es ihm die Energie. Aber nicht nur im Sport – jeder Mensch tut gut daran, seinen Focus auf das Gelingen statt auf das Scheitern zu richten. Auch in der Medizin ist es von größter Bedeutung, welche Vorstellung der Kranke von seiner Krankheit hat.

Die Macht der inneren Bilder
Hier eine Geschichte aus meiner Praxis: Morgens teilte mir eine Klientin telefonisch mit, sie müsse ihre Coachingsitzung am Abend leider absagen, weil bei ihr eine Grippe im Anmarsch sei. Spontan fragte ich sie, warum sie der Grippe kein Einreiseverbot erteile. Sie lachte etwas gequält. „Ich meine das ernst“, erklärte ich ihr. „Geht das denn?“, fragte sie ziemlich irritiert zurück. „Ich denke schon“, erwiderte ich. „Also gut, ich werde es mal versuchen“, ging das Gespräch weiter. „Moment mal, das Versuchen kannst du dir schenken. Die Frage ist: Willst du das Einreiseverbot erteilen oder willst du das nicht. Ich habe kein Problem mit der Terminabsage, da die Warteliste für Nachrücker voll ist, die sich über einen schnellen Termin freuen.“ Sie überlegte kurz: „O.K. ich komme heute Abend“. Als sie abends kam, begann sie als erstes: „Also das musst du mir mal erklären. Ich habe der Grippe gesagt, ’Du hast Einreiseverbot’ und tatsächlich sind die Anzeichen zurückgegangen und jetzt sind sie weg.“ Da ich schon öfter mit ihr gearbeitet hatte begann ich direkt mit folgendem hypnotischen Dialog: „Schließ die Augen und gehe noch einmal in die Situation, als du mich anriefst und sagtest, dass da eine Grippe im Anmarsch sei. Wie erscheint dir die Grippe?“ – „Wie eine Armee mit Soldaten und Panzern.“ – „Und wie groß bist du?“ – „Ziemlich klein und machtlos.“ „Geh jetzt dahin wo du sagtest ’Ich will es versuchen’.“ – „Da war ich schon ein Stückchen größer.“ – „Und jetzt, als du Einreiseverbot erteiltest?“ – „Da stehe ich an einer Schranke und die Armee besteht nur noch aus Spielzeugsoldaten und Spielzeugpanzern.“

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Meine Klientin verstand. Ich will nicht behaupten, dass man jede Krankheit einfach mit einer inneren Verweigerung verhindern kann. Dies wäre auch nicht immer sinnvoll, denn die Krankheit kann einen Sinn und eine Notwendigkeit beinhalten, wie z.B. sich Ruhe oder Regeneration zu gönnen, was man freiwillig nie getan hätte. (Siehe dazu auch den Text „Gar ned krank is a ned g’sund“). Aber das sensible Immunsystem wird enorm gestärkt, wenn wir eine klare, positive innere Haltung einnehmen oder sehr geschwächt, wenn man sich aufgibt oder in die Hilflosigkeit geht. Es ist hinreichend erforscht, wie wichtig es für eine Genesung gleich welcher Krankheit ist, dass der Patient an die Heilung glaubt. Hirnforscher haben festgestellt, dass die Art und Weise, wie jemand über das Leben denkt und sich das Leben vorstellt, dafür ausschlaggebend ist, welche Nervenzellenverschaltungen im Gehirn aktiviert und stabilisiert werden. Es entstehen neuronale und synaptische Verschaltungen. Das ist natürlich nicht nur bei der Bewältigung von Krankheiten so. Unsere mentale Verfassung beeinflusst und steuert unser Leben mehr, als sich die meisten Menschen träumen lassen. Der Volksmund sagt zu Recht: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. 

Die größte aller Freiheiten
Dies ist ein zentrales Thema meiner Tätigkeit als Verhaltenstrainer und Mentalcoach. Es geht darum den Klienten in Kontakt mit neuen und positiven Bildern zu bringen, damit neue handlungsleitende und Orientierung bietende innere Muster entstehen. Es ist niemals, wirklich niemals, eine negative Situation selbst, die einem zu schaffen macht, auch wenn sie selbst, objektiv betrachtet, noch so schwierig und belastend sein mag, sondern es ist immer die Einstellung, die der Betreffende zu dieser Situation hat. Das vielbemühte Beispiel, dass es dem Betrachter obliegt, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, kennt wohl jeder. Je nachdem in welche Sichtweise wir gehen verändert sich das Gefühl dazu.
Schon Lao Tse sagte: Die größte Freiheit, die wir Menschen besitzen, ist die, in jeder Situation unsere Einstellung zu wählen. Machen wir von dieser Wahlfreiheit Gebrauch!